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Stellungnahme des Transition Vorstandes zu den Querdenker-Demonstrationen

Transition setzt sich als Bürger*innen Bewegung vor Ort für eine nachhaltige,  nachbarschaftliche und ökologische Stadtentwicklung ein. Es ist und war uns immer ein Anliegen auch jenseits der tagespolitischen Stimmung ein Klima zu schaffen, in dem Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Meinungen und Hintergründen gemeinsam ihre Lebensumgebung gestalten und auch Differenzen überwinden.

Im Selbstverständnis von Transition ist Straßenprotest nicht die primäre Aktionsform, dennoch sind wir Mitglied in dem antirassistischen Bündnis BayernbleibtBunt und wollen dies auch bleiben. Gemeinsam mit dort vertretenen Gruppen teilen wir den Wunsch nach einer offenen und bunten, sowie vielfältigen Gesellschaft.

Die Corona Pandemie und ihre gesellschaftspolitischen Auswirkungen stellen uns, so wie alle, vor vielerlei Fragen und Herausforderungen. Im Vorstand ließ sich trotz eines intensiven Austauschs kein Konsens im Bezug auf eine gemeinsame Bewertung der Querdenken Bewegung finden. Mit einer knappen Mehrheit wurde sich gegen ein Ruhen lassen der BBB Mitgliedschaft entschieden, ebenso eine knappe Mehrheit tendiert zu einer kritischen Bewertung der Querdenken Bewegung.

Einig waren wir uns hingegen, dass wir selbstverständlich rechtsextreme und  gewaltverherrlichende Tendenzen, gleich wo, in der Gesellschaft ablehnen.

Daher wollen wir bereits Mitte Januar eine Mitgliederversammlung, welche das höchste Organ des Vereins ist, einberufen, damit alle Menschen die bei uns aktiv sind, diejenigen zu ihren Vertretern*innen machen können, die Ihre Überzeugungen am Besten vertreten. Transition Regensburg e.V. hat sich in den knapp 8 Jahren seines Bestehens immer wieder erneuert und wir glauben gemeinsam, dass nun auch eine solche Zeit gekommen ist.

Im Folgenden eine Einschätzung von Chrissi, welcher sich Sophie und Leon anschließen:

* Chrissi

Die Bewegung, die sich selbst als „Querdenker“ bezeichnet ist neu und wurde von mir zunächst einmal nur beobachtet. Durch intensives Verfolgen der medialen Berichterstattung, sowie auch durch eine private Teilnahme an der Gegendemo am 14.11.2020 habe ich mir zu dem Thema eine eigene Meinung gebildet. Während anderswo (Beispiel Berlin, Leipzig,…) Krawalle, gewalttätige Auseinandersetzungen, gefährliche und falsche Aussagen das Bild dieser Bewegung prägen, war mein Eindruck der Demo in Regensburg eher gemäßigter Natur. Dennoch war die Tendenz zu erkennen, dass staatliche Auflagen, sowie die Corona Maßnahmen im Allgemeinen, missachtet wurden. Dieses Verhalten finde ich unsozial und gesellschaftsschädigend. Die Grundstimmung der, zumeist älteren, „Querdenker“ war meiner Beobachtung nach aggressiv und wütend. Außerdem zeigten sie durch die Nichteinhaltung der staatlichen Maßnahmen wenig Empathie für und Solidarität mit Menschen, die die Pandemie ernst nehmen (müssen). Nicht zu verachten ist außerdem die Tatsache, dass deutschlandweit durch diese Bewegung sehr wohl auch rechtsextremen und verschwörungsideologischen Redner*innen eine Plattform gegeben wird und somit dafür gesorgt wird, dass antisemitisches, gefährliches und falsches Gedankengut verbreitet wird.

Wie sollen wir als Transition Regensburg dazu stehen?

Auch wenn Transition an sich nicht „politisch“ ist, so sind wir dennoch eine Bürger*innenbewegung mit einer gesellschaftlichen Verantwortung. Außerdem sind wir ja auch Mitglied im Bündnis BayernbleibtBunt und sollten daher, zumindest Verständnis für die Gegendemo zeigen. Dies muss nicht zwingend und schon gar nicht in der aktuellen Pandemie mit einer physischen Teilnahme des Vereins an der Straßendemo verbunden sein. Aber ein online Statement, dass zur Aufklärung und Rückbesinnung auf die Vernunft aufruft (#mitdenkenstattquerdenken), sowie das Teilen der Veranstaltung „Solidarität statt Verschwörungswahn“ auf den online Plattformen und Kanälen des Vereins wäre meiner Meinung nach wünschenswert. Eine private Teilnahme an der Gegendemo bliebe dann jedem Mitglied selbst überlassen.

Ich verstehe aber auch, wenn ein Großteil der Mitglieder sich aus der ganzen Thematik heraushalten möchte, da wir als Bürger*innenbewegung eigentlich andere Schwerpunkte haben. Wichtig ist es trotzdem, dass man transparent mit der Sache umgeht und alle zur Sprache kommen lässt.

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Diese Stellungnahme ist abschließend ein Aufruf in die Gruppen und die dort Aktiven, Verantwortung für die gesamte Bürger*innenbewegung zu übernehmen.

Mitte Januar ist es wichtig, dass sich 5 Menschen finden, die bereit sind für ein Jahr die Geschicke mit zu steuern.

Martin Hoff wird nicht mehr antreten.

Wir alle wünschen dem Wandel weiterhin viel Erfolg.